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Preisverleihung 2016
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"2016 war ein guter Jahrgang"

Freudenthal-Preisverleihung an Jutta Oltmanns und Are Meijer

SOLTAU (mwi). Es habe zwar schon Jahre mit mehr Einsendungen gegeben, meinte Snorre Björkson. Dafüraberseien ungewöhnlich viele der 31 Beiträge von hoher Qualität: "2016 war ein toller Jahrgang in der Geschichte des Freudenthal-Preises", resümierte dann auch das Jury-Mitglied, als der Preis für zeitgenössische plattdeutsche Literatur der Soltauer Freudenthal-Gesellschaft am vergangenen Sonnabend in der Bibliothek Waldmühle verliehen wurde. Angesichts dieser Qualitätsfülle war es nicht verwunderlich, daß die Auszeichnung in diesem Jahr wieder geteilt wurde. Und so ging der Preis an Jutta Oltmanns aus Moormerland und Are Meijer aus Amsterdam. Darüber hinaus vergab die Jury die Freudenthal-Anerkennung an Wilko Lücht aus Emden.

Freudenthal-Preisverleihung: (v.l.) Dorothea Büttner (Jury),
Klaus-Dieter Krüger, Wilko Lücht, Are Meijer,
Werner Salomon (Vorsitzender der Freudenthal-Gesellschaft e.V.)
Snorre Björkson, Jutta Oltmanns und Andre Pannier.
mwi Heide Kurier

Nach der Begrüßung durch Werner Salomon, Vorsitzender der Freudenthal-Gesellschaft, und einem plattdeutschen Grußwort des stellvertretenden Soltauer Bürgermeisters Friedhelm Eggers war es an Björkson, in seiner Laudatio die Preisträger vorzustellen.
Er betonte, sowohl Oltmanns als auch Meijer hätten mit ihrer Lyrik überzeugt: "Beide Gedichtzyklen befassen sich mit der Frage nach dem Letzten im Leben eines Menschen, mit Lebensende, Tod und Vergänglichkeit, aber jeweils auf ganz andere Art. Jutta Oltmanns Gedichte überzeugen durch eine einfache Sprache, ohne dabei naiv zu sein. Ihre Texte sind Ausdruck menschlicher Suche", so Björkson in seiner Laudatio.
Oltmanns Zyklus mit dem Titel "Wächters tüsken de Welten", so die Jury, rufe Engel auf, die "Gedichten un Gedachten mank Hemel un Eer" anstießen. In ihnen verbänden sich Freude und Schmerz beim endgültigen Abschiednehmen. Diese Gedichte seien der Versuch einer Versöhnung mit der Vergänglichkeit des Menschen.
Da die Jury die eingesandten Manuskripte anonymisiert vorgelegt bekommt und erst nach ihrem Urteil die Namen der Preisträger offengelegt werden, "war ich baff, als ich erfahren habe, daß diese Gedichte von Jutta Oltmanns stammen", so Björkson. Dies deshalb, weil Oltmanns eine "alte Bekannte" aus dem vergangenen Jahr ist: Die 51jährige hatte an der Ausschreibung des Preises 2015 teilgenommen. Unter dem Titel "Rosengöör un Maanschien" wurden darin "De Heerskuppen van Oostfreesland in Sang un Danz 1464 bit 1744" behandelt, also die Grafen-und Fürstenzeit in Ostfriesland. Da die musikalische Darbietung dabei eine wesentliche Rolle spielte, konnte dieser Beitrag im vergangenen Jahr zwar nicht gemäß den Kriterien der Preisvergabe gewertet werden. Die Jury hatte sich davon aber so beeindruckt gezeigt, daß sie Oltmanns Einsendung mit einer besonderen Würdigung auszeichnete.

Diesmal nun reichte es für den Freudenthal-Preis - ebenso wie bei Are Meijer, einen Niederländer, der in Amsterdam lebt, seinen Wettbewerbsbeitrag aber in Groninger Platt verfaßt hat. Der 57jährige ist bereits mehrmals beim Freudenthal-Preis angetreten, jetzt erstmals mit Erfolg. Sein Gedichtzyklus "Wurrems zoeken" (Würmer suchen) wartet mit einer anderen Perspektive auf: "Und die ist beinahe zornig. Dabei geht es um einen Mann, der Krebs hat und über die letzten Dinge nachdenken muß", so Björkson. Dieser Mann fühlt sich durch zweierlei bedroht: durch den Krebs ebenso wie durch das von ihm imaginierte Ende der Beziehung zu seiner Partnerin. So heißt es in den ersten Zeilen der hochdeutschen Übersetzung: "Ich hab Krebs und Du einen anderen." Der Erkrankte lehnt sich einerseits auf gegen das, was ihm unabweisbar erscheint, und findet sich andererseits mit dem Unabänderlichen ab.

"Diese beiden Einsendungen ergänzen einander auf überzeugende Weise. Es macht fast den Eindruck, als seien sie aufeinander zukomponiert", so hatte es die Jury nach der Preisvergabe im Juli mit Blick auf beide Gedichtzyklen formuliert, und auch Björkson machte dies bei der Verleihung am Sonnabend noch einmal deutlich.
Daß zeitgenössische niederdeutsche Literatur und damit der Freudenthal-Preis keineswegs von Überalterung betroffen sei, unterstrich der Laudator, als er zur Verleihung der Freudenthal-Anerkennung kam. Die ging an Wilko Lücht. Der erst 33jährige ist bisher beim Freudenthal-Preis noch nicht in Erscheinung getretener ist also auf diesem Feld ein echter "Newcomer". Die Auszeichung erhalten hat er für "De Billerrahm", einen Prosatext in ostfriesischem Platt. Der Erzähler befaßt sich darin auf ungewöhnliche Weise mit der Geschichte seiner Familie vor dem Hintergrund der belastenden Zeiltläufe des 20. Jahrhunderts. Erzähltechnisch gekonnt wird die Perspektive des Erzählers mit der eines an seiner Geschichte interessierten Journalisten verknüpft. Schließlich tritt noch die Sicht des titelgebenden Bilderrahmens hinzu - sozusagen als die eines verborgenen Zeitzeugen: "Wir haben hier einen kunstvoll verschachtelten, durchkomponierten Prosatext", lobte der Laudator, bevor Salomon gemeinsam mit Andre Pannier, Soltauer Regionaldirektor der preisstiftenden Volksbank Lüneburger Heide, die Auszeichungen übergab.
Für Björkson war dies übrigens der letzte Auftritt dieser Art: 1998 selbst mit dem Freudenthal-Preis ausgezeichnet, hatte er seitdem der Jury angehört, aus der ihn Salomon am vergangenen Sonnabend verabschiedete.
Für den musikalischen Rahmen der Preisverleihung sorgten mit ihren Steirischen Harmonikas übrigens die "Veersetaler Deerns" - Susanne Renken und Heidekönigin Johanna Rosebrock, die dafür allerdings ihre royale Robe ablegte ...






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